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"Blick hinter die Kulissen" - Interview mit Buddhi Maya Sherpa im Dezember 2012 - Video

"Blick hinter die Kulissen" - Interview mit Buddhi Maya Sherpa im Dezember 2012 - Video
 
 
Seit nunmehr zehn Jahren unterstützen Mitglieder des Alpenvereins das Patenschaftsprojekt „Schulausbildung für Sherpamädchen“. In Nepal gibt es keine Schulpflicht, d. h.  dass eine Familie einen erheblichen Kostenaufwand bestreiten muss, will sie ihren Kindern die Möglichkeit bieten lesen, schreiben und rechnen zu lernen. In den Bergregionen verschärft sich die Situation für die Familien, denn die Verdienstmöglichkeiten sind dort geringer als im städtischen Raum. An letzter Stelle wird deshalb meist in die Schulausbildung der Töchter investiert.



Im Dezember 2012 begab sich eine kleine Gruppe von Alpenvereinsmitgliedern in Begleitung von Buddhi Maya auf nach Nepal. Ziel waren einerseits Berge, Land und Leute, andererseits auch den Ort und die Menschen, welche die Patenschaft in Anspruch nehmen, kennenzulernen. In diesem Zusammenhang entstand folgendes Interview mit der Projektinitiatorin und -leiterin Buddhi Maya Sherpa.

Buddhi Maya, du selbst lebst mittlerweile einige Monate im Jahr in Österreich und leitest dort eine eigene Trekkingagentur. Die restliche Zeit begleitest du die Gruppen in Nepal. Dies kann man wohl kaum als typischen Lebenslauf einer Frau aus der Bergregion Nepals bezeichnen. Wie kam es dazu?


Mein Vater war selbst Bergführer und hatte einen Stammkunden aus Österreich. Aus dieser Geschäftsbeziehung ist im Laufe der Jahre eine Freundschaft entstanden. Dieser kannte unsere Lebensumstände und erklärte sich eines Tages bereit, unser Pate zu werden. Wir sind drei Mädchen zu Hause, und es war unseren Eltern nicht möglich, allen drei Mädchen eine Schulausbildung zu ermöglichen. Mein Patenonkel hat unseren Eltern finanziell geholfen, um uns alle in die Schule zu schicken. So habe ich für zehn Jahre die Sir-Edmund-Hillary-Schule besucht. Diese liegt auf fast 4.000 Metern Höhe. Nachdem ich die Schulausbildung abgeschlossen habe, bin ich nach Österreich und habe dort eine Ausbildung zur Trekkingführerin gemacht und auf Schutzhütten gearbeitet.

Also war deine eigene Lebensgeschichte der ausschlaggebende Punkt, weshalb du selbst ein Patenschaftsprojekt ins Leben gerufen hast?

Ja, denn ich habe mir gedacht, dass man auch als Mädchen mit einer Ausbildung, etwas Fleiß und Unterstützung etwas erreichen kann. So habe ich in den 90er-Jahren angefangen, Patenschaften zu vermitteln. Am Anfang waren das Privatpersonen aus Österreich, und 2003 habe ich in Bozen einen Nepal-Lichtbildervortrag gehalten. Gemeinsam mit dem AVS haben wir das Projekt „Schulausbildung für Sherpamädchen“ ins Leben gerufen. Als Grundstock für ein eigenes Konto diente das Geld vom Vortrag. Nun werden von den AVS-Mitglieder, -Spendern und -Gönnern, Spenden für das Projekt auf dieses Konto einbezahlt und dadurch können hier mittlerweile zehn Kinder unterstütz werden.

Die Anfänge liegen somit bereits über 20 Jahre zurück. Du bist aber immer noch eine Ein-Frau-Organisation. Wo steht das Projekt heute?


Mit den Jahren sind immer mehr Patenschaften dazugekommen, mittlerweile sind es insgesamt 73 Kinder, die unterstütz werden. Einige Kinder haben gerade ihre Ausbildung abgeschlossen, manche sind mitten in der Ausbildung, und einige sind noch ganz klein und fangen gerade erst mit der Schule an. Ich sehe, dass wenn man Kindern die Möglichkeit einer Schulausbildung gibt, diese aus sich selbst etwas machen können und später ein selbstständiges, unabhängiges Leben führen können.




Kritiker von Patenschaftsprojekten behaupten, dass es nicht sinnvoll wäre, einzelne Personen zu fördern. Welche Reichweite hat die Unterstützung von einzelnen?

Die Schulausbildung eines Kindes kommt meist der ganzen Familie zugute. Diese Kinder können wiederum ihrer Familie, ihren Brüdern und Schwestern helfen. Selbst haben sie es auch einfacher, ihren Kindern wiederum eine Ausbildung zu ermöglichen. So ist das langsam, aber doch, ein Weg aus der Armut. Die armen Leute haben hier so viele Kinder und können sich für diese Kinder keine Ausbildung leisten. Die Kinder heiraten dann sehr früh und bekommen wieder viele Kinder, die wieder nicht in die Schule gehen, und so ist das ist ein Kreislauf der Armut, der nicht enden kann. Durch Ausbildung kann man diesen Kreislauf unterbrechen.

Wie viel Geld benötigt eine Familie für ein Schuljahr?

Ein Schuljahr kostet zwischen 400 und 500 Euro, je nachdem, ob das Kind im Dorf oder in Kathmandu zur Schule geht. In Kathmandu müssen die Kinder im Internat untergebracht werden und das kostet ein wenig mehr. Für die Schule selbst muss eine Anmeldegebühr bezahlt werden. Das Geld bekommen die Eltern, und sie können mit diesem Geld diese Gebühr, die Schuluniform, das Schuhwerk, die Bücher, Bleistifte, Unterkunft und die Verpflegung bezahlen.

Und wie sieht die schulische Laufbahn dieser Kinder aus?


In den Dörfern gibt es Volks-, Mittel- und Hauptschulen. Nach der zehnten Klasse kann man in Kathmandu ein zwei- oder dreijähriges College zu besuchen, und dann ist ihre Ausbildung fertig. Wenn man es sich leisten kann bzw. eine Patenschaft gefunden wird und das Kind sehr begabt ist, kann man in Kathmandu auch ein Studium absolvieren. Nach dem College kann man einen Beruf erlernen oder direkt ins Arbeitsleben einsteigenen. Mir ist es wichtig, dass die Kinder im eigenen Dorf zur Schule gehen, dann können sie bei ihrer Familie sein. Nur wenn die Schule sehr weit entfernt ist, oder Kinder keine Eltern bzw. nur ein Elternteil haben, dann kommt das Kind ins Internat nach Kathmandu. Dort werden die Kinder verpflegt, können übernachten und werden unterrichtet. Ich wünsche mir, dass die Kinder eine gute Ausbildung haben und dann aber wieder in die Dörfer zurückkommen können und dort arbeiten, sei es als Lodgebesitzer oder Angestellte in einer Lodge oder einem Hotel, als Lehrer, Krankenschwester, Ärzte oder Sanitäter. Es gibt bereits zwei Mädchen, die eine Krankenschwesterausbildung abgeschlossen haben, und in einem Spital in den
Dörfern arbeiten. Das ist die Entwicklung, wie ich sie mir wünsche.

Auf unserer Wanderung ist uns aufgefallen, dass du alle Patenkinder und ihre Familien persönlich kennst. Wie erfährst du von den Kindern, die eine Patenschaft brauchen?

In einem Dorf kennt jeder jeden, und im ganzen Tal wohnen arme Familien, die keine größeren Häuser, Geschäfte oder Lodges besitzen. Viele von ihnen wissen, dass ich das Patenkinderprojekt leite. Sie kommen dann direkt zu mir, bringen ihre Kinder mit und fragen nach den Möglichkeiten. Teilweise sind die Kinder Waise oder haben nur ein Elternteil, oder beide Elternteile sind arbeitslos. Wir schauen auch nach, wo und wie die Familien leben und wie die familiären Verhältnisse sind, und wenn sie wirklich bedürftig sind, dann setzte ich sie auf die Warteliste und bei der nächsten Möglichkeit, wenn das Geld vorhanden ist, nehme ich die Kinder in das Projekt auf.

Und wie verläuft die Kontrolle?

Ich komme zweimal im Jahr nach Namche Bazar (Hauptort im Tal, A. d. R.) und lade alle Kinder und Eltern ein, und jede Familie bringt einmal im Jahr die Zeugnisse mit. Das kann man gut kontrollieren. Zudem wollen die Kinder ja gerne in die Schule gehen. Die Eltern schicken die Kinder auch gerne in die Schule, da sie meistens selbst nicht die Möglichkeit gehabt haben, eine Schule zu besuchen. Die Eltern können meistens selbst nicht schreiben und lesen, deshalb ist es den Eltern ein großes Anliegen, die Kinder in die Schule zu schicken.

Danke Maya für das Gespräch. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg bei deinem Vorhaben.

Vera Bedin und Katya Wiedenhofer


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Hier hören Sie das Interview mit Buddhi Maya Sherpa in voller Länge:


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